DeepLaw: Die KI-gestützte Rechtsrecherche für das Schweizer Recht
12 Februar 2026
Juristische Recherche kostet Zeit, obwohl die relevanten Informationen längst digital vorliegen. Valmira Saiti, Lead Business Development und zuständig für die Anwaltsbranche, erläutert, wie DeepLaw entwickelt wurde, um diese Lücke zu schliessen und die Effizienz in der Schweizer Rechtspraxis neu zu definieren

Die digitale Transformation hat zahlreiche Branchen grundlegend verändert, doch die juristische Recherche blieb lange arbeitsintensiv und fragmentiert. Mit starken technologischen Wurzeln und einem tiefen Verständnis professioneller Arbeitsabläufe hat sich DeepLaw zum Ziel gesetzt, genau das zu verändern.
Wie und wann ist die Idee für DeepLaw entstanden?
Die Idee für DeepLaw entstand aus der konkreten Beobachtung des juristischen Arbeitsalltags: Rechtsrecherche nimmt einen erheblichen Teil der Arbeitszeit von Anwält:innen und anderen juristischen Fachpersonen ein. Trotz zunehmender Digitalisierung blieb die Recherche häufig zeitintensiv, fragmentiert und abhängig von klassischen Stichwortsuchen. Gleichzeitig wuchs die Menge juristischer Informationen stetig, während der Druck auf Geschwindigkeit, Effizienz und Nachvollziehbarkeit zunahm.
Vor diesem Hintergrund wurde deutlich, dass herkömmliche Suchlösungen den Anforderungen moderner Rechtsarbeit nicht mehr gerecht werden. Der Auslöser für DeepLaw war somit das klar identifizierte Problem, dass juristische Fachpersonen wertvolle Ressourcen für Recherche aufwenden müssen, obwohl die relevanten Informationen grundsätzlich digital verfügbar sind.
Insbesondere die vollständige und laufend aktualisierte Integration offizieller Rechtsquellen wie Fedlex, Lexfind sowie Bundes- und Kantonsentscheide stellt die hohen Anforderungen, an die Datenqualität sicher und garantiert eine zuverlässige Basis an Strukturierung und Synchronisation.
Welche Vision hatten Sie zu Beginn für das Produkt, und in welchen Punkten hat sich diese Vision im Laufe der Entwicklung verändert?
Ziel von DeepLaw war von Beginn an, die juristische Recherche im Schweizer Recht spürbar zu vereinfachen und zu beschleunigen. Das Produkt richtet sich gezielt an juristische Fachpersonen wie Anwält:innen, Notar:innen sowie Rechtsabteilungen in Unternehmen, die täglich präzise und überprüfbare Rechtsinformationen benötigen.
Die Vision bestand darin, eine innovative Plattform zu schaffen, die es erlaubt, komplexe Rechtsfragen in natürlicher Sprache zu stellen und innerhalb von Sekunden klare, fundierte Antworten aus offiziellen Quellen zu erhalten. Dabei sollte DeepLaw nicht Meinungen oder vereinfachte Zusammenfassungen liefern, sondern ausschliesslich auf originalen, direkt überprüfbaren Rechtsgrundlagen basieren.
Bei der Entwicklung von DeepLaw war auch Artificialy beteiligt. Kannst du kurz erklären, wer Artificialy ist und was sie zum Projekt beigetragen haben?
Artificialy mit Hauptsitz in Lugano und Zürich ist ein Unternehmen, das 2019 von Luca Gambardella und Marco Zaffalon gegründet wurde, Professoren am IDSIA (Dalle Molle Institut für Künstliche Intelligenz) mit jahrzehntelanger Erfahrung in der künstlichen Intelligenz.
Artificialy ist verantwortlich für die Entwicklung vieler KI-Komponenten im DeepCloud-Ökosystem und hat auch zur Entwicklung von DeepLaw beigetragen, indem es die gesamte KI-Engine aufgebaut hat: insbesondere das KI-Modell, die intelligente semantische Suchmaschine, die agentische Pipeline, die Modelloptimierung sowie die Produktionsbereitstellung der gesamten KI-Komponente.
Was waren die grössten fachlichen oder organisatorischen Herausforderungen während der Entwicklung?
Eine der grössten fachlichen Herausforderungen bestand darin, KI-gestützte Technologie mit den hohen Anforderungen juristischer Präzision zu vereinen. Juristische Recherche verlangt Verlässlichkeit, Transparenz der Quellen und Zitierfähigkeit – Eigenschaften, die bei allgemeinen KI- oder Suchlösungen oft nicht gegeben sind.
Insbesondere die vollständige und laufend aktualisierte Integration offizieller Rechtsquellen der Bundesgesetzgebung über Fedlex, der kantonalen Gesetzgebung über Lexfind sowie die direkte Integration der Urteile der Bundesgerichte und der Kantonsgerichte stellte hohe Anforderungen an die Sicherstellung der Datenqualität, Strukturierung und Synchronisation. Gleichzeitig musste die DeepLaw so entwickelt werden, dass sie natürliche Sprache versteht, mehrsprachige Inhalte korrekt verarbeitet und dennoch ausschliesslich überprüfbare Originalquellen ausgibt.
Welche Rolle spielten Feedback von Nutzer:innen, Kund:innen oder externen Partnern bei der Weiterentwicklung des Produkts?
Feedback von Nutzer:innen und juristischen Fachpersonen spielte eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung von DeepLaw. Da die Plattform gezielt für Rechtsprofis entwickelt wurde, war es entscheidend, Arbeitsweisen, Erwartungen und konkrete Anwendungsfälle aus der Praxis zu verstehen.
Rückmeldungen halfen insbesondere dabei, die Benutzerführung zu optimieren, die Antwortlogik zu verfeinern und sicherzustellen, dass die gelieferten Inhalte nicht nur korrekt, sondern auch unmittelbar im Arbeitsalltag einsetzbar sind. Die enge Orientierung an den Bedürfnissen der Zielgruppe trug wesentlich dazu bei, DeepLaw als praxisnahe und effiziente Recherchelösung zu etablieren.
Worauf sind Sie beim fertigen Produkt besonders stolz?
DeepLaw unterscheidet sich grundlegend durch die konsequente Fokussierung auf das Schweizer Recht und auf ausschliesslich offizielle, originale Rechtsquellen. Während andere KI-Tools Sekundärmeinungen oder nicht überprüfbare Webinhalte liefern, bietet DeepLaw direkt zitierfähige Aussagen sowie Zugriff auf die Originalquellen auf Bundes- oder Kantonsebene.
Besonders hervorzuheben sind die Kombination aus natürlicher Sprachverarbeitung, mehrsprachiger Nutzung inklusive automatischer Übersetzungen sowie der kompromisslose Ansatz in Sachen Datenschutz: Anfragen werden nicht für KI-Training genutzt und verbleiben vollständig vertraulich auf Schweizer Servern. Diese Verbindung aus Effizienz, Präzision und Sicherheit macht DeepLaw einzigartig.
Wie geht es nach dem Launch mit dem Produkt weiter? Welche nächsten Schritte sind bereits absehbar?
Nach dem Launch liegt der Fokus darauf, DeepLaw kontinuierlich weiterzuentwickeln und noch stärker an die Bedürfnisse juristischer Fachpersonen anzupassen. Absehbar sind weitere Optimierungen der KI-gestützten Such- und Antwortlogik, eine laufende Erweiterung und Aktualisierung der Rechtsquellen sowie zusätzliche Funktionen zur Zusammenarbeit und zum sicheren Teilen von Rechercheergebnissen.
Ziel bleibt es, DeepLaw langfristig als zentrale, verlässliche Rechercheplattform für das Schweizer Recht zu etablieren und die Effizienz juristischer Arbeit nachhaltig zu steigern.
Aktualisierungen
Kontakt
DeepCloud-Zertifikate
Zertifizierte digitale Lösungen für höchste Sicherheitsanforderungen Ihres Unternehmens.
Identitätsprüfung aus der Ferne mit einer Mischung aus manuellem und automatischem Verfahren gemäss dem internationalen ETSI-Standard.